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3.2 Farben
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3.2.1
Einführung
Unser Design-Theorie-Kapitel beginnt mit dem Thema "Farben". Wieso? Es ist wichtig, einige fundamentale Fakten über Farben zu kennen. Kontraste sind hier wichtig, aber auch die Wirkung von Farben auf den Menschen ist nicht zu unterschätzen. Auch sollten Sie wissen, wie Farben auf Monitoren dargestellt werden.
Um Einwänden vorzugreifen: Es ist sicher nicht möglich, im Rahmen eines Webdesign-Buchs die Farb-Psychologie erschöpfend zu behandeln. Um ehrlich zu sein, wäre das den Autoren auch gar nicht möglich - wir sind keine Psychologen und verfügen in diesem Bereich nur über grundlegendes Wissen. Wer sich also wirklich für das Thema interessiert, sollte sich ein separates Buch besorgen.
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3.2.2
Wirkung einzelner Farben
3.2.2.1 Urprünliches
Wir Menschen assoziieren - warum auch immer - bestimmte Gefühle und Reaktionen mit bestimmten Farben. In vielen Fällen lässt sich das sicher evolutionär erklären: Alle sogenannten "Signalfarben" stellen in der Natur ein Zeichen für Gefahr dar.
So verallgemeinern lässt sich das aber nicht. Es ist davon auszugehen, dass die Farb-Wahrnehmung je nach Kulturkreis variiert. So zum Beispiel die traditionelle Bedeutung der Farbe Weiß im Europa/Asien-Vergleich: In Europa bei Hochzeiten verwendet, wird sie in asiatischen Ländern oft zu Beerdigungen getragen. Die hier getroffenen Aussagen beziehen sich ausschließlich auf den westlichen Kulturkreis. Gestalten Sie also für eine andere Zielgruppe, raten wir Ihnen, sich über die vor Auftragsausführung genauestens zu informieren. Gefühle sind schneller verletzt, als man denken mag - auch durch Verwendung bestimmter Farben kann es dazu kommen.
3.2.2.2 Die wesentlichen Farben
Herkömmliche Computermonitore können über 16 Millionen Farben darstellen. Wir beschränken uns im Folgenden auf einige wesentliche. Für von denen abgeleitete Farbtöne gelten dann ähnliche Angaben.
3.2.2.2.1 Schwarz und Weiß
Die beiden im WWW am häufigsten eingesetzten Farben sind aller Wahrscheinlichkeit nach Schwarz und Weiß. Beide werden als weitgehend neutral wahrgenommen, wobei Schwarz sich natürlich eher für die Darstellung düsterer Szenen eignet als Weiß. Letzteres dagegen wird eher eingesetzt, wenn es um Information oder Seriösität geht.
Unserer Meinung nach jedoch wird Schwarz nicht als negative Farbe wahrgenommen, zumindest nicht zwangsläufig.
Wenn es um die Entscheidung zwischen Schwarz und Weiß geht, werfen sich verschiedene Fragen auf. Wichtig ist zunächst der geplante Einsatzzweck: Geht es um eine Schriftfarbe oder um eine Hintergrundfarbe? Ergonomische Untersuchungen haben ergeben, dass schwarze Hintergründe geringfügig angenehmer sind als weiße Hintergründe. Sollten sich also alle anderen Argumente pro oder contra Schwarz bzw. Weiß gegenseitig aufheben, sollten Sie auf Schwarz setzen.
Wichtiger als geringfügige ergonomische Unterschiede ist jedoch die Art der geplanten Seite: Wer eine Informationsseite, wie z.B. AboutWebDesign, plant, dem sei zu einem vom Weiß geprägten Layout (also heller Hintergrund) geraten. Geht es dagegen z.B. um eine Seite für Musik-Downloads oder Computerspiele, ist ein schwarzer Hintergrund sehr beliebt.
Letztendlich liegt - wie so oft - es an Ihnen, eine Entscheidung weitgehend nach Ihrem eigenen Geschmack zu treffen. Praktisch verwendbar sind beide Farben.
3.2.2.2.2 Blau
Allgemeine Aussagen zum Blau zu treffen, ist schwierig: es gibt viele verschiedene leichte Abwandlungen, die alle eine mehr oder minder geringfügig andere Wirkung haben. Wer vom tiefen oder "reinen" Blau ausgeht und in der Natur sucht, der findet Blau als Wasser-Assoziation. Blau hat also eine positive Ausstrahlung, wirkt oft beruhigend und majestätisch, manchmal aber auch kalt.
Subjektiv gesehen fällt Blau durch besonders große Unterschiede zwischen einzelnen Blautönen auf. Ein reinblauer Hintergrund beispielsweise ist alles andere als augenfreundlich, wohingegen ein Pastellblau sehr angenehm sein kann. Wenn Sie Blau einsetzen, brauchen Sie also ein feines Gefühl für solche Angelegenheiten. Dafür ist es aber auch möglich, auf Blau basierend wunderbare Layouts zu erstellen.
Einsetzbar ist Blau universell: unabhängig vom Typ der Website, ein richtig gewähltes Blau passt immer.
3.2.2.2.3 Rot
Rot zählt zu den Signalfarben und dient daher oft als Aufmerksamkeit anziehendes Gestaltungselement. Wer Rot einsetzt, muss wissen, was er tut - wichtige Informationen oder Abschnitte hervorzuheben, ist sicher problemlos möglich. Wer jedoch zu viel Rot verwendet, tut dies auf Kosten von Übersichtlichkeit.
Rot steht sowohl für Liebe als auch für Feuer, seine Bedeutung ist also nicht klar definiert. Wer viel (helles bzw. reines) Rot einsetzt, vergrätzt seine Besucher. Wenn dies also nicht irgendwelchen waghalsigen Design-Experimenten dienen soll, lassen Sie es lieber.
3.2.2.2.4 Grün
Grün ist ein Natur-Synonym für Pflanzen und Bäume, zumindest dann, wenn das Grün "gesund" ist. Es gibt allerdings auch das "krankhafte" Hellgrün - das dagegen steht für Gift bzw. giftige Tiere - oder auch für Feigheit. Nicht umsonst gibt es das Adjektiv "giftgrün". Dunkelgrün geht also durchaus als Flächenfarbe durch, Hellgrün keinesfalls. Dafür aber um so mehr als bewusst eingesetzte Signalfarbe...
3.2.2.2.5 Gelb
Gelb ist keine beliebte Farbe im WWW, obwohl Gelb an sich eigentlich die Sonne bzw. Licht im Allgemeinen repräsentiert. Leider hat es sich damit aber noch nicht: Gelb steht ebenfalls für Gefahr; man sehe sich nur einmal den Körper einer Hornisse an, um zu verstehen, warum. Die Unbeliebtheit dieser Farbe hat vielleicht etwas damit zu tun, dass sie nur schwer einsetzbar ist: Angenehme Kontraste sind mit Gelb schwierig, großflächig eingesetzt ist es fast immer zu grell.
Auch Gelb wird den Signalfarben zugeordnet und eignet sich daher als Auszeichnung für wichtige Stellen.
3.2.2.2.6 Grau
Aus dem Bauch heraus würden viele Menschen mit der Farbe Grau wohl schlechtes Wetter in Verbindung bringen. Grau ist jedoch eine sehr flexibel einsetzbare Farbe und erfreut sich einiger Beliebtheit. Grau ermöglicht fantastische Farbkombinationen.
Auch als "Ausputzer" für Schwarz und Weiß wird es gerne verwendet. Hellgraue Schrift auf schwarzem Hintergrund ist z.B. angenehmer lesbar als weiße Schrift auf schwarzem Grund.
Wer Grau verwenden möchte, kann das meist ohne Vorbehalte tun. Wichtig ist nur, dass der Eindruck der Eintönigkeit vermieden wird. Gelingen kann das durch den Einsatz passender und lebendiger Farbkombinationen.
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3.2.3
Farben im Zusammenspiel
| | Dr. Web ist sehr gelb. | Wirklich interessant werden Farben erst im Zusammenspiel miteinander. Es gibt hier einige grundlegende Aspekte und Regeln, deren Beachtung empfehlenswert, aber nicht zwingend ist. Ein Beispiel ist das Online-Magazin Dr. Web: Dort ist der gesamte Hintergrund knallgelb. Obwohl ergonomisch sicher nicht optimal, ist dieses Gelb zum Markenzeichen von Dr. Web geworden.
3.2.3.1 Vorder- und Hintergrund
Es ist zu unterscheiden zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe. Die Hintergrundfarbe wird großflächig eingesetzt, sollte also nicht zu Augenschmerzen führen. Hellgrüne Hintergrüne sind ein schönes Beispiel für solche Verfehlungen.
Bei der Wahl der Vordergrundfarbe jedoch kommt es in erster Linie auf den Kontrast zum Hintergrund an, um optimale Lesbarkeit zu gewährleisten.
3.2.3.2 Kontraste
Es gibt verschiedene Arten des Kontrastes. Wichtig ist, dass Sie überhaupt einen vernünftigen Kontrast finden, der für Lesbarkeit sorgt. Schwarz und Weiß kontrastieren optimal, Schwarz und Hellgrau werden oft als noch angenehmer empfunden.
Kontraste können auch eingesetzt werden als grafisches Stilmittel: So gibt es in den Kunstwissenschaften z.B. den Kalt-Warm-Kontrast, besonders stark zwischen einem dunklen Orange und einem hellen Blau. Wer also Wärme in ein Polar-Layout bringen will, ist mit einer solchen Kombination recht gut bedient.
3.2.3.3 Physische und psychische Reaktionen
Interessanterweise rufen verschiedene Farbkombinationen massive körperliche und geistige Reaktionen hervor. kommdesign.de hat hier eine eindrucksvolle, das demonstrierende Farbdusche online gestellt.
3.2.3.4 Die ideale Kombination...
... gibt es leider nicht. Hier ist viel Gefühl für passende Farben gefragt. Faustregeln funktionieren hier nicht zuverlässig. Nehmen Sie sich also Zeit und versuchen Sie, passenden Farbkombinationen vor dem Erstellen anderer Layout-Elemente zu erstellen.
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3.2.4
Farben technisch
Moderne Computer können bis zu 16,7 Millionen Farben darstellen - vorausgesetzt, das Betriebssystem arbeitet mit einer Farbtiefe von 32 Bit, also 3 Byte. Im WWW werden Farben im 32-Bit-System angegeben. Unterstützt das Betriebssystem nur 16 Bit Farbtiefe mit ca. 65.000 Farben, muss ein Farbraum von 17 Millionen auf 65.000 heruntergerechnet werden. Das führt zu Qualitätsverlusten.
Noch schlimmer wäre es, wenn der Computer nur 256 Farben unterstützen würde. Obwohl noch sporadisch anzutreffen, gehören solche Rechner doch glücklicherweise zu einer absoluten Minderheit im WWW.
Sie sollten beim Design berücksichtigen, dass Farben auf den meisten Monitoren geringfügig anders aussehen. Kontrast und Helligkeit werden sowieso vom Anwender eingestellt, aber auch der verwendete Monitor spielt hier eine Rolle. Obwohl es Systeme zur Kalibrierung von Monitoren gibt, um eine absolute Farben-Gleichheit zu erreichen, sind diese Verfahren für Websurfer nicht relevant.
Als Faustregel lässt sich festhalten, dass kontrastreiche, helle Designs am risikolosesten sind.
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